Rupprecht Matthies

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Rupprecht Matthies

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In  den Arbeiten von Rupprecht Matthies geht es um ein waches Aufnehmen, um eine offene Kommunikation voller Möglichkeiten und auch um das Assimilieren von Begegnungen, von Orten und von Situationen. Und bei all Diesem geht es auch noch um eines: Wie viel Meinung ist erlaubt? Wie viel Freiheit ist gewagt? Wie nett darf man eigentlich sein in einer Welt, in der primär kritisches Hinterfragen en vogue ist? Und was heißt eigentlich nett? Und warum ist ein positiver Zugang zu Orten, Situationen und Menschen eigentlich in der letztendlichen Gleichung immer mit unkritisch gleichgesetzt? Die Offenlegung der eigenen Persönlichkeit, des eigenen Wissens ist die Gratwanderung, die das Leben auszeichnet und es eigentlich oftmals auch so schwierig macht. 

Die Wortkunstwerke von Rupprecht Matthies, seine Installationen und vor allen Dingen seine Texte sind zutiefst persönlich. Sie spiegeln aber nicht nur die Persönlichkeit des Autors, sondern auch die Persönlichkeit der Menschen wieder, denen er auf seinen Recherchen und seinem wachen Treiben durch alle Gesellschaftsbereiche begegnet. Die Begriffe, die Matthies aufspürt, sind denkbar einfach und dabei von einem bemerkenswerten Gespür für eine aufklärungsbedürftige Sachlage gekennzeichnet. Worte treffen auf Zeichen unterschiedlicher Art und Weise, die dem alltäglichen Leben entnommen sind. Wir finden uns in Gärten wieder, in den Plattenbauten von Neuruppin, Landesvertretungen aber auch in Museen und Galerien. Der öffentliche Raum wird bespielt, wie auch der Private. Kunst kommt an einen Ort, an dem Kunst normalerweise keine Rolle spielt, an dem sie vielmehr überraschend ist. Und dies in einer Zwanglosigkeit, in der sie erst wirken kann. 

Es geht aber in diesen Aufeinandertreffen auch um Konfrontation. Rupprecht Matthies wählt Begriffe aus, die er den Situationen entsprechend findet und die den Finger in die Wunde legen. Ansprechen, konfrontieren, auffordern, reagieren – Was verlangt eine Situation? Wie können Menschen zum Mitdenken angeregt werden? Wo achten sie auf Kunst? Welche Bilder sprechen an und lassen eine Kette von Assoziationen frei? Wir finden in seinen Arbeiten Bilder und Worte – respektive insbesondere Wortbilder – die wir zu kennen meinen und die wir aber dann aber auch neu zu sehen lernen. Es ist oftmals nicht das, was wir aus unseren gesellschaftlichen Konventionen heraus zu sehen meinen. Jeder Begriff, jedes Bild kann auf vielfältiger Art und Weise wirken. Ein „Lachen“ wird plötzlich zu etwas ganz besonderem, weil man wieder den wahren Inhalt des Wortes erkennt. Der „Smiley“ der Email- und SMS – Kommunikation verdeckt doch nur zu gerne, ist schnell dahin geschrieben und oftmals auch belanglos. Das „Lachen“ ist dagegen aber eine Aufforderung im öffentlichen Raum, die schon fast subversiv wirkt. Rupprecht Matthies geht mit einem journalistischen, fast sezierenden Blick durch die Welt, der einen erfrischenden Blick auf die gesellschaftlichen und insbesondere auch kunstbetrieblichen Zusammenhänge wagt. Das, was er hier macht ist eigentlich ein Tabu. In dieser Direktheit das Spiel um Macht, Status und Konventionen anzusprechen, geht eigentlich nicht. Man mag dieses als Naivität eines Menschen ansehen, der die Spielregeln einfach nicht verstanden hat. Manchmal gibt es aber glücklicherweise Menschen, die die Spielregeln unterlaufen, weil sie nicht mitspielen möchten. Es ist faszinierend, wie Matthies sehr direkt, visuell-poetisch, eine ganz eigene Sprache entwickelt hat, die Freude bereitet und gleichzeitig den Finger in die Wunde legt. Er spricht die elementarsten Bedürfnisse des Menschen an und macht sich sein Umfeld zu Verbündeten. Man kann nicht umhin, sich den Dingen zu stellen. „Verzichten“ und „sich entscheiden“, „alles“ und „Hass“, „Allah“ und „Toleranz“ – hier bündeln sich die elementarsten Fragen unserer Gesellschaft. Manchmal bedarf es nur eines einzigen Wortes um eine Assoziationskette zu generieren, die endlos weitergeführt werden kann. Und schon ist man drin, im Gespräch, in der Diskussion und letztendlich im Leben. 

Kunst gibt uns das Werkzeug in die Hand, über uns selbst hinauszugehen. Es ist wie ein Spiegelbild unseres Selbst, das auffordert einzugreifen, klar zu sehen und zu verändern. Wie darstellungswillig ist aber die Gesellschaft? Und ist die Gegenwart überprüfbar? Kunst nimmt Matthies zufolge oft simple, leichte Realitätsverschiebungen vor. Führen da nicht die großen Ansprüche zur Vermeidung von Aussagen und zum Verschwinden der Kunst? Dies geschieht mitnichten in den Arbeiten von Matthies. Seine künstlerische Produktion ist gekennzeichnet von Sichtbarkeit; sie ist die Manifestation eines Künstlers, der sich den Aussagen gerade nicht verweigert. Die experimentelle Gegenüberstellung ganz unterschiedlicher Werkkomplexe in diesem Buch belegen dies und laden ein zu einer Tour de Force durch die Widersprüche, die in diesem Zusammenhang unweigerlich auftauchen und die sich nicht auflösen lassen. Denken lässt sich nach Wittgenstein nur, was konfiguriert ist, nicht aber "Konfiguration" an sich, unabhängig von Konfiguriertem, logisch Gebildetem. Wittgenstein schreibt im „Tractatus Logico-Philosophicus“: „Der Satz kann die logische Form nicht darstellen, sie spiegelt sich in ihm. Was sich in der Sprache spiegelt, kann sie nicht darstellen. Was sich in der Sprache ausdrückt, können wir nicht durch sie ausdrücken. Der Satz zeigt die logische Form der Wirklichkeit. Er weist sie auf.“ Nach Wittgenstein können dieselben Dinge in verschiedenster Weise verbunden sein und bilden so verschiedene Sachverhalte. Wie Wittgenstein durch Sätze seine Welt beschreibt, beschreibt Matthies diese durch Worte. „Don’t be so romantic!“ heißt die Devise. Matthies mag sich gegen die Romantizismen wenden, die heute wieder opportun erscheinen und mit einer Flucht in Parallelwelten konnotiert sind. Sieht man jedoch die kulturhistorischen Hintergründe dieser Bewegung, die dem gesellschaftlichen Status Quo Rechnung tragen und diesem kritisch begegnen, dann ist er näher dran. 

Bettina Steinbrügge, Direktorin und Kuratorin für zeitgenössische Kunst im Kunstverein Hamburg

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Galerie auf See, MS Europa 2012

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Bebenhausen 2008

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Münchner Rück 2009

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Galerie der Gegenwart, Hamburg 2007

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Privat Sammlung, Denver 2011

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